Die Nutzung dieser Etage nach der Erbauung ist umstritten. Man vermutet, dass hier ein Kornspeicher untergebracht gewesen sei, doch bestanden entsprechende Lagermöglichkeiten auch im heutigen Parkbereich. Auch ist umstritten, ob die Decke ursprünglich gewölbt war. Seit 1857 beherbergte dieses Stockwerk die Ess-, Wohn- und Schlafräume der Prinzen und Prinzessinnen sowie ihrer Erzieher. Auch Gästezimmer waren hier untergebracht.
Weißer Saal
Alten Inventaren ist zu entnehmen, dass der Saal am Ende des 19. Jahrhunderts mit großen Spiegelkonsolen, Kronleuchtern und Kaminen sehr kostbar eingerichtet war. 1961 wurde er Speisesaal und mit Ledertapeten ausgeschlagen. Der Ausziehtisch bietet Platz für ca. 70 Personen. Die 1984/75 restaurierte Gobelinsammlung zählt zu den wichtigsten in Nordeuropa. Gefertigt wurden die Bildteppiche mit fantasievollen Szenen aus dem ländlich-bäuerlichen Leben nach Vorlagen des flämischen Genremalers David Teniers des Jüngeren um 1740 in den Manufakturen van der Borght und van der Hecke zu Brüssel.
Ledertapeten
Ledertapeten, in Schlössern und Herrenhäusern seit dem 17. Jahrhundert allgemein gebräuchlich, zählen heute zu den großen Raritäten. Im frühen Mittelalter durch die Mauren nach Spanien gebracht, gelangte die Technik (Ölfarbe auf Blattsilber, Goldfirnis/reliefiert, punziert) im 16. Jahrhundert über Venedig in die Niederlande. Man nimmt an, dass die hiesigen Kalbsledertapeten mit sehr skurrilen Landschafts- und Jagdszenen um 1680 in einer Mechelner Manufaktur gefertigt wurden. Die Fehlstellen ergänzte man bei der Restaurierung 1985 durch monochromes Leder.
Silber und Porzellan
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Das Silber und Porzellan (18./19. Jahrhundert) der herzoglichen Familie stammen zu einem wesentlichen Teil aus dem Besitz des Landgrafen Carl von Hessen-Cassel, der bis 1836 dänischer Statthalter in den Herzogtümern war. Besonders prunkvoll gearbeitet sind die großen Silberterrinen und der Tafelaufsatz, der bei Festlichkeiten auf der Mitte des Tisches platziert wurde. Das Vogelservice aus der Berlinger Königlichen Porzellanmanufaktur ist ein Geschenk Friedrichs des Großen an den Landgrafen. Die Krater-Vase mit Rundsicht von der Höhe des Berliner Doms (KPM, um 1832), nur in wenigen Exemplaren bekannt und beispielhaft für die Antikenrezeption, gehört zu den kunstgewerblichen Kostbarkeiten der Sammlung.
Ausstellungsraum
Ausstellung :
„Besuch der Kaiserin Auguste Viktoria auf Schloß Glücksburg“
Die Kaiserin besuchte Ihre Schwester „Calma“ bis Kriegsbeginn fast jedes Jahr in Glücksburg. Caroline Mathilde heiratete den Herzog Friedrich-Ferdinand von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und lebte teils in Glücksburg und teils auf dem Gut Grünholz
in Schwansen. Da die Kaiserin oft zu Besuch kam, hatte sie sogar ihre eigenen Zimmer im Schloss. Glücksburg wurde so zu ihrer zweiten Heimat.
Unsere Ausstellung zeigt, wie ein Besuch von Ihr ausgesehen haben könnte und wird mit historisch angezogenen Puppen fast zum Leben erweckt. Man könnte meinen, dass Kaiserin Auguste Viktoria sich gleich an den festlich gedeckten Esszimmertisch setzt, um mit ihren Gästen zu speisen.
Ausstellung:
In Zusammenarbeit mit Herrn Jörg Hagenacker
Gemälde
Zu den interessantesten Gemälden gehört die großformatige Glücksburg-Ansicht von P. Thomsen (1819). Sie zeigt die Gesamtanlage in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Bis 1820 standen an der Allee das Jägerhaus und eine Scheune. Die Zugbrücke wurde 1859 durch eine Steinkonstruktion ersetzt, deren Schlussstein das Monogramm König Friedrichs VII. von Dänemark trägt. Ebenso baute man anstelle der Brücke zum Schloss einen Damm. Der Park war im französischen Stil angelegt. 1827 musste die alte Orangerie der heutigen, klassizistischen weichen. Die Löwen, einst Parkskulpturen, flankieren das Portal.
Abbildung Glücksburg
Ornamentierte Jagdwaffen aus dem 18./19. Jahrhundert, Reisepistolen und ein Bündelgewehr sind einige besondere Exponate aus der Waffensammlung.
Musikzimmer
Während der Schlosskonzerte dient das Musikzimmer als Aufenthaltsraum für Künstler. Ein Tafelteppich, 1650 in Amsterdam gefertigt, zeigt Orpheus, den antiken Sagenhelden und Erfinder der Musik, im Kreise der Tiere. Die Szene des Bildes symbolisiert paradiesischen Frieden und die versöhnende Macht der Kunst. Ebenso beliebt wie das Orpheus-Motiv war in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts die in der Ilias geschilderte Sage von Meleager. Auf dem Gobelin, gefertigt in Brüssel um 1700, ist die Szene dargestellt, wie er seiner Jagdgefährtin und Geliebten Atalante den Kopf des Kalydonischen Ebers überreicht.
Gobelinzimmer
In diesem Raum – einst das Prinzengemach – befinden sich Gobelins, entstanden um 1700 in der Brüsseler Werkstatt von Reydam dem Jüngeren. Sie tragen das Schleswig-Holstein-Gottorfer Wappen und kamen 1854 unter König Friedrich VII. von Dänemark nach Schloß Glücksburg. Dargestellt sind Szenen aus den Metamorphosen des Ovid.
Markgrafen-Zimmer
Bereits 1786 wurde dieser Raum nach dem Markgrafen Friedrich Ernst zu Brandenburg-Culmbach (1703-1762) benannt, der Statthalter Dänemarks für den Landesteil Schleswig war und zeitweilig auf Glücksburg wohnte. Im 18. Jahrhundert stattete man das Zimmer mit einem umlaufenden, für das Barock typischen Sockel und der mit Temperafarben bemalten Wandbespannung, dem sogenannten Lübecker Tüchlein, aus. Anders als die Ledertapeten und Gobelins wurde es eigens für diesen Raum gearbeitet. Dargestellt sind Szenen aus den Türkenkriegen (1683-97 und 1714-18), die, dem Zeitgeschmack entsprechend, dramatische Reiterkämpfe wiedergeben.












